Es gibt Entscheidungen, die trifft man schnell.
Und dann gibt es die, über die man tagelang, wochenlang oder sogar rund um die Uhr nachdenkt.
Will ich das wirklich?
Was, wenn ich mich falsch entscheide?
Was, wenn ich es später bereue?
Und was, wenn ich mich einfach noch nicht entscheiden kann?
So geht es mir leider schon den ganzen letzten Monat lang. Ich stecke in einer auswegslosen Situation, in der ich eine Entscheidung treffen muss, die mein Leben und meine Beziehung maßgeblich beeinflussen kann und wird.
Das schlimme daran: meine Entscheidung in der Gegenwart ist erst zukünftig relevant.
Ausgelöst wurde das Ganze durch meine Beziehung und meine eigenen Unsicherheiten.
Eine schwierige Unterhaltung mit meinem Freund hat mich dazu gebracht, über mich selbst, meine Wünsche und meine Zukunft nachzudenken.
Ich hatte auf die Frage eigentlich immer eine klare Antwort gehabt, aber ein Meinungswechsel meines Partners hat dazu geführt, dass ich eine Art Identitätskrise bekam.
Plötzlich war die Antwort auf die Frage doch nicht mehr so klar, wie sie es zuvor gewesen war.
Ich denken nach, wäge ab und spreche mit anderen darüber.
Aber am Ende lande ich dann doch wieder am Anfang.
Während ich versuche, Klarheit zu finden, läuft das Leben einfach weiter.
Ich gehe arbeiten, treffe Freundinnen und erledige meinen Alltag.
Von außen sieht wahrscheinlich alles ganz normal aus.
In meinem Kopf findet währenddessen ein Zusammenbruch nach dem anderen statt.
Manchmal wünschte ich, ich könnte meine Gedanken einfach kurz ausschalten, wenn auch nur für einen Tag.
Aber so funktioniert das leider nicht.
Was mir in dieser Zeit am meisten geholfen hat, ist das Reden.
Das hört sich sehr klischeehaft an und ich muss sagen, dass ich das selbst nicht gedacht hätte, aber es hilft wirlich!
Ich spreche immer wieder mit meinem Partner darüber.
Auch dann, wenn wir das Thema gefühlt schon hundertmal besprochen haben.
Es hilft mir, meine Gedanken auszusprechen, Fragen zu stellen und ehrlich zu sagen, was mich beschäftigt.
Nicht jedes Gespräch bringt sofort eine neue Erkenntnis. Aber manchmal verstehe ich mich danach selbst ein kleines bisschen besser und es hilft dagegen, meine Gedanken in mich hineinzufressen.
Auch meinen Freundinnen gegenüber versuche ich, ehrlich zu sein und meine Zweifel und Gefühle offen auszusprechen.
Es tut gut, Menschen zu haben, bei denen ich nicht so tun muss, als ob ich alles im Griff hätte.
Sie hören zu, verurteilen nicht, fragen nach und zeigen mir eine andere Perspektive.
Ohne mir die Entscheidung abzunehmen.
Denn genau das ist wichtig und gleichzeitig auch so schwer: Andere können mir helfen, meine Gedanken zu sortieren. Aber entscheiden muss ich mich am Ende selbst.
Neben dem Reden helfen mir auch ganz praktische Dinge,
Mit meinem Freund habe ich beispielsweise eine Pro-und-Kontra-Liste erstellt.
Was spricht dafür? Was dagegen?
Was macht mir Angst?
Wie sieht unser Leben in Situation A, und wie in Situation B aus?
Hier ist es wichtig, dass kein konsens gefunden werden muss. Jeder schreibt und spricht aus seiner Perspektive- es gibt hier kein richtig oder falsch!
Natürlich ist das keine magische Lösung.
Trotzdem hilft es mir, meine Gedanken aus dem Kopf herauszubekommen und sie durch das laute Aussprechen greifbarer zu machen.
Auch Journaling ist für mich eine Möglichkeit, mich selbst besser zu verstehen.
Einfach drauflosschreiben.
Das fällt mir zugegebenermaßen noch immer sehr schwer, aber Übung macht den Meister.
Manchmal schaffe ich es, mir klarer zu werden und Gefühle loszulassen und manchmal steht am Ende einfach nur da, dass ich gerade überfordert bin.
Bei all dem Nachdenken und Zweifeln kann es schnell passiren, dass ich in eine Art Spriale rutsche.
Deshalb versuche ich, mir bewusst kleine Pausen zu nehmen.
Einen Spaziergang mit einem passenden Podcast machen.
Ein heißes Bad nehmen.
Mein Buch weiterlesen.
Meine Lieblingsmusik hören und dabei meine Gefühle zulassen.
Die kleinen Dinge, die meine Probleme zwar nicht lösen können, aber sie mich zumindest für einen Moment lang vergesen lassen.
Wenn man diese kleinen Dinge vernachlässigt, passiert es schnell, dass alles andere in den Hintergrund rückt. Plötzlich hängt die eigene Zufriedenheit davon ab, endlich eine Antwort zu finden.
Dabei darf ich auch jetzt schöne Momente haben, lachen und Pläne machen, obwohl ich noch nicht weiß, wie es weitergeht.
Und trotzdem wäre es gelogen, zu behaupten, dass ich mittlerweile alles entspannt sehe und ich nicht mehr über die Situation nachdenke.
Ehrlicherweise denke ich jeden Tag darüber nach und ertappe mich sehr oft dabei, wie diese Gedanken mich wieder zurückhalten und runterziehen.
Ich habe mich noch nicht entschieden.
Und leider werde ich das auch nicht so bald tun können.
Natürlich wünsche ich mir Klarheit.
Ich möchte morgens aufwachen und nicht direkt wieder anfangen, alles zu hinterfragen.
Ich möchte wieder wissen, was ich will, und wie meine Zukunft ungefähr aussehen wird.
Aber manche Entscheidugen brauchen einfach Zeit.
Auch wenn ich das Problem nicht lösen konnte, habe ich doch einiges gelernt.
Ich habe meine Ängste ausgesprochen, meine Wünsche und Gefühle hinterfragt und versucht, ehrlicher zu mir selbst zu sein.
Ich habe gemerkt, welche Gedanken mich wirklich beschäftigen und welche vor allem aus meiner Unsicherheit entstehen.
Und ich habe verstanden, wie wichtig es ist, Menschen an seiner Seite zu haben, bei denen man nicht alles allein mit sich ausmachen muss…
Vielleicht stehst du gerade auch vor einer Entscheidung, die dir den Schlaf raubt.
Du hast schon hundertmal über die nachgedacht und darüber gesprochen.
Du stehst vielleicht an einem Punkt, an dem du einfach Tipps möchtest, wie du zu einer Lösung kommen kannst.
Leider kann ich dir keine rettenden Tipps liefern, die fehlen mir ja leider selbst noch.
Aber ich kann dir sagen, dass du damit nicht allein sein musst!
Und bis wir so weit sind, dürfen wir uns Hilfe holen, unsere Gedanken teilen und zwischendurch auch einfach mal durchatmen.
Denn auch wenn wir am Ende selbst entscheiden müssen, heißt das nicht, dass wir den Weg dorthin allein gehen müssen.
