Es ist ein sommerlicher Freitagabend.
Ich liege schon im Bett und scrolle durch Instagram.
Ich sehe mir die Storys der anderen an und scrolle durch die Reels: Eine Freundin postet ein Bild vom Aperol in der Abendsonne.
Arbeitskollegen sitzen im Flugzeug auf dem Weg in den Urlaub.
Dazwischen sind Kreativabende mit Freunden, Festivals, Strandfotos und Städtetrips.
Deprimiert lege ich mein Handy weg und denke nach.
Was mache ich eigentlich dieses Wochenende?
Die Antwort ist: Ich habe nichts geplant.
Plötzlich fühle ich mich gestresst.
Es fühlt sich an, als hätte ich etwas wichtiges vergessen.
Als müsste ich dringend noch jemanden fragen, ob er Zeit hat.
Als wäre ein Wochenende ohne Pläne automatisch ein schlechtes Wochenende.
Früher ging mir das fast jede Woche so.
Ich denke, dass es vor allem daran gelegen hat, dass ich zuvor immer nur Jobs hatte, bei denen das Wochenende wie ein sicherer Hafen wirkte. Endlich hatte ich Zeit für meine Freunde und Freizeitaktivitäten.
Ich hatte das starke Gefühl, dass ich mein Wochenende füllen musste.
Jede Minute sollte möglichst produktiv verplant werden.
Nicht wirklich, weil ich unbedingt etwas unternehmen wollte, sondern weil ich Angst hatte, etwas zu verpassen.
FOMO nennt sich das – The fear of missing out.
Es war nicht wichtig, was ich verpassen könnte, sondern dass ich etwas verpassen könnte.
Ich wollte montags nicht das Gefühl haben, als hätte ich meine freien Tage verschwendet.
Ich bin mir sicher, dass Social Media meinen Blick auf Wochenenden noch mehr verändert hat.
Wenn man jedes Wochenende hunderte Bilder und Reels von Ausflügen, Rooftop-Abenden und Kurzurlauben sieht, beginnt man irgendwann zu glauben, dass das normal ist.
Dass freie Zeit immer genutzt werden muss, am besten noch so produktiv wie möglich.
Bei mir führt das in letzter Zeit sogar öfter dazu, dass ich mir lieber die Wochenenden der anderen ansehe, als mein eigenes Wochenende zu leben.
Ich nehme mir vor, diese ganzen Sachen aus den Reels auch zu machen, bis ich merke, dass es schon Nachmittag ist und ich vom Scrollen müde geworden bin.
Kaum jemand zeigt die Samstage, an denen er bis zehn schläft, die Wohnung putzt oder einfach keine Lust hat, rauszugehen.
Dabei sind es genau diese Wochenenden, an die ich gerne zurückdenke:
Ausschlafen, ohne auf die Uhr zu schauen.
Mit einem Buch auf dem Balkon sitzen.
Ziellos durch Wien spazieren.
Den ganzen Nachmittag eine Serie schauen, die ich eigentlich schon kenne.
Nichts Spektakuläres.
Und trotzdem waren diese kleinen Dinge genau das, was ich gebraucht habe.
Ich habe mir für diesen Sommer vorgenommen, ihn „more whimsy“ zu machen.
Ich möchte mir die schönen Wochenenden der anderen nicht bloß ansehen, sondern möchte sie erleben.
Bewusst auch mal offline zu sein und mir Zeit für mich zu nehmen ist ein wichtiger Schritt.
Zeit für einen selbst ist keine vergeudete Zeit!
Das zu erkennen, war ein langer weg voller FOMO und Selbstzweifeln.
Ich bin gespannt, wie dieser Sommer wird – hoffentlich whimsy!
