Mein erster Teamtrip

Ich bin nun seit etwas über einem Jahr bei meiner Firma und würde sagen, dass ich mich ziemlich gut eingelebt habe. Ich habe Arbeitskolleg:innen gefunden, mit denen ich sogar hin und wieder meine Freizeit verbringe.

 

Doch nun steht ein Ausbruch aus meinem Alltag an: der erste Teamtrip.

Das Ziel? Florenz.

Meine Nerven? Angespannt.

 

Versteht mich nicht falsch, ich freue mich sehr auf die Reise. Trotzdem kann ich meine negativen Gedanken und den Stress einfach nicht abschalten.

 

Mit wem soll ich ein Zimmer teilen?

Was passiert, wenn niemand mit mir teilen möchte?

Wie wird die Reise aussehen?

Werde ich überhaupt schlafen können?

Und wie soll ich an all den Aktivitäten teilnehmen, wenn meine Sozialbatterie normalerweise schon nach einem einzigen Meeting im Energiesparmodus landet?

 

Meine Kollegen reden mir gut zu und ich finde schließlich eine Kollegin, die das Zimmer gerne mit mir teilen möchte. Die Nervosität und die Angst werden langsam leiser und ich fange an, mich immer mehr auf die Reise zu freuen.

 

Ich melde mich sogar freiwillig, um bei der Organisation zu helfen.

Kleiner Spoiler: Es sollte das erste und gleichzeitig letzte Mal bleiben…

 

Am Tag der Abreise bringt mich mein Freund zum Bahnhof. Ich besorge noch Snacks und Getränke für die Fahrt, habe aber kaum Hunger. Ich bin traurig, dass er nicht mitkommen kann, und gleichzeitig gestresst, weil wir die Ersten am Treffpunkt sind. Langsam trudeln immer mehr meiner Kollegen ein. Wir unterhalten uns, vergleichen unsere Snacks und quatschen über die Zugkabinen.

 

Die Verabschiedung von meinem Freund fällt mir unglaublich schwer, aber ich möchte mir beweisen, dass ich das schaffen kann.

 

Die Zugfahrt verläuft reibungslos und ich habe sogar eine Einzelkabine, in die ich mich zurückziehen kann. In Florenz angekommen schlägt mir sofort die Hitze ins Gesicht. Wir steigen in einen Bus und fahren gemeinsam zur Unterkunft.

 

Unser Zimmer ist super süß und das Hotel gefällt mir sehr.

Es ist modern und hat einen wunderschönen Garten. Ich nehme mir fest vor, dort zu lesen und mir zwischendurch erfrischende Getränke an der Bar zu gönnen.

 

Nach einer kleinen Runde durch die Stadt sammeln wir uns im Innenhof des Hotels, um gemeinsam zum Bus zu gehen. Heute steht ein Besuch im Spa auf dem Programm: Mein persönliches Highlight auf der Aktivitätenliste.

Leider konnte ich dort überhaupt nicht entspannen.

Ich fühlte mich unwohl in meinem Körper, wusste nicht so recht, wohin mit mir und versuchte angestrengt, Gespräche aufrechtzuerhalten und mich zu integrieren. Bereits nach der Hälfte der Zeit war ich völlig erschöpft, wollte aber nicht aufgeben.

Als uns der Bus schließlich wieder abholte, war ich ehrlich gesagt erleichtert und freute mich nur noch auf das Abendessen.

 

Durch die Hitze, die ständige Sonne und den ganzen Stress ging es mir zurück im Hotel leider gar nicht gut. Mir war schlecht, ich fühlte mich krank und musste mich hinlegen.

So verpasste ich leider das gemeinsame Abendessen und meinen ersten Abend in Florenz.

Das einzig Positive? Ich bestellte mir gegen 22 Uhr zum ersten Mal in meinem Leben Roomservice, und die Pasta war einfach himmlisch!

Immerhin schöpfte ich dadurch etwas neue Energie für den nächsten Tag.

 

Um 10 Uhr herrschte bereits reges Treiben im Innenhof des Hotels. Fast alle Kollegen waren schon auf den Beinen und waren bereit für die Museums Tour. Meine Zimmergenossin und ich hatten die Aufgabe, alle in ihre Gruppen einzuteilen und die Audioguides für die Führungen auszuteilen.

 

Es war chaotisch.

 

Die Listen waren teilweise falsch, manche Leute tauchten gar nicht auf und ständig änderte sich irgendetwas. Ich war genervt von der schlechten Organisation und dem ganzen Chaos.

 

Als die Tour schließlich begann und wir das Uffizi besuchten, besserte sich meine Laune zum Glück wieder. Die Führung hat mir richtig gut gefallen und mein Ärger verflog langsam. Nach einem Eis und einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt war meine Stimmung deutlich besser und wir machten uns daran, Florenz weiter zu erkunden.

 

Der Abend rückte näher und damit auch die Teamreflexion. Ich hatte riesige Angst davor, weil ich vorher einige Horrorgeschichten gehört hatte. Zum Glück bewahrheitete sich davon nichts und am Ende war alles nur halb so schlimm. Ich bekam sogar einige Komplimente für meine Worte zum Thema Dankbarkeit, was mich unglaublich gefreut und bestärkt hat.

 

Beim Abendessen im wunderschönen Hotelgarten hatte ich dann wirklich viel Spaß.

Der Aperol schmeckte hervorragend, die Stimmung war locker und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, einfach sein zu dürfen. Ich musste nicht mit allen reden und fühlte mich in meinem Outfit, einem langen Rock vom Girls Clothes Swap in der Arbeit, richtig wohl.

 

Als Abschluss des Tages stand „Going Out“ im Kalender.

Leider war nichts organisiert.

Niemand wusste so richtig, wohin wir gehen sollten, und viele Bars hatten bereits geschlossen.

Es bildeten sich kleine Grüppchen und überall wurde getuschelt.

 

Irgendwann schnappte ich auf, dass einige Kollegen bereits in einem Pub in der Nähe des Hotels waren. Kurz darauf wurde der Standort in der WhatsApp-Gruppe geteilt.

 

Dort angekommen sah ich viele Menschen, mit denen ich mich eigentlich richtig gut verstand. Umso mehr verletzte es mich, dass niemand gefragt hatte, ob ich mitkommen möchte.

 

Ich war traurig, verärgert und fühlte mich plötzlich völlig fehl am Platz.

Ich geriet mit einigen Leuten aneinander und war wütend darüber, dass ich es scheinbar einfach nicht schaffte, mich anzupassen.

Obwohl meine Zimmergenossin und ich später noch eine nette Bar fanden, überwog mein Ärger und ich konnte den Abend nicht mehr richtig genießen.

 

Auch am nächsten Morgen fühlte ich mich nicht besser.

 

Ich versuchte wirklich, mich auf das Positive zu konzentrieren, aber der Stress und die unglaubliche Hitze machten es mir nicht gerade leicht.

 

Nach einem erneuten Organisationschaos beschloss ich schließlich, bei der eigentlich geplanten Food Tour nicht mitzugehen.

Ich wollte einfach Ruhe und Zeit für mich, um herunterzukommen.

Gleichzeitig wollte ich vor den anderen aber nicht zugeben, dass mir alles zu viel wurde.

Außerdem hatte ich riesige fomo.

 

Immer wieder fragte ich mich, was die anderen wohl von mir denken würden.

Und ob ich nicht einfach dankbar sein sollte, überhaupt an so einer Reise teilnehmen zu dürfen.

 

Nach einem beruhigenden Spaziergang durch die Stadt und einer kleinen Shoppingrunde verbrachten wir den restlichen Nachmittag im Hotel.

Rückblickend war genau das das Beste, was ich hätte tun können.

 

Ich kaufte mir ein leckeres Sandwich und ein eiskaltes Red Bull, plauderte mit meinen Kolleginnen und plante mit ihnen den restlichen Tag.

 

Beim letzten Abendessen in Italien fühlte ich mich zwar noch immer nicht ganz wohl, durfte aber früher zurück ins Hotel.

Dort sammelte ich die Audioguides ein und war unglaublich dankbar für alle, die gesehen hatten, wie sehr mich die Situation belastete, und mir deswegen unter die Arme gegriffen haben.

 

Als schließlich alle Audioguides eingesammelt waren, war ich richtig stolz, dass am Ende doch alles funktioniert hatte.

Trotzdem wollte ich nur noch nach Hause…

 

Die Zugfahrt verging erstaunlich schnell und ich freute mich wahnsinnig darauf, endlich anzukommen.

 

Als ich meinen Koffer im Vorraum abstellte und meinen Freund endlich wieder in den Arm nehmen konnte, fiel der ganze Stress der vergangenen Tage von mir ab.

 

Ich weinte.

 

Ich war auf einem firmenfinanzierten Teamtrip nach Florenz und hatte nach meiner Rückkehr nichts Besseres zu tun, als bitterlich zu weinen.

Ich fühlte mich schrecklich und war überzeugt, der undankbarste Mensch der Welt zu sein.

 

Doch bin ich wirklich undankbar, nur weil der Trip nicht so verlief, wie ich ihn mir vorgestellt hatte?

Vielleicht.

Vielleicht auch nicht.

Was ich jedoch weiß: Ich kann stolz auf mich sein.

 

Ich habe mich getraut, etwas zu tun, das mir große Angst gemacht hat. Ich war weit weg von zuhause, gemeinsam mit Menschen, die ich größtenteils kaum kannte.

Ich habe viel über mich gelernt, neue Seiten an mir entdeckt und gemerkt, wo meine Grenzen liegen.

 

Beim nächsten Teamtrip möchte ich mich wieder trauen.

Aber ich möchte meine Bedürfnisse nicht mehr hinter die der anderen stellen.

 

Ich möchte mir bewusst Zeit für mich nehmen.

Ich möchte auch einmal Nein sagen können, wenn mir etwas zu viel wird.

Und ich möchte weniger darüber nachdenken, was andere über mich denken.

 

Der Trip hat mir einerseits gezeigt, dass ich mutig sein kann.

Andererseits hat er mir auch vor Augen geführt, wie unsicher ich manchmal noch bin.

 

Jetzt heißt es lernen, wachsen und Schritt für Schritt selbstsicherer werden.

 

Mal sehen, wie mein Bericht über den nächsten Teamtrip aussehen wird.