Kreativität braucht keine Perfektion

In letzter Zeit habe ich ein neues Hobby für mich entdeckt: Journaling.

 

Eigentlich klingt das ziemlich unspektakulär: Ein Notizbuch, ein Stift und ein paar Gedanken. Mehr braucht es doch nicht, oder?

 

In einer Zeit, in der das halbe Leben digital stattfindet, fühlt es sich fast schon ungewohnt an, etwas nur für sich selbst zu machen.

Kein Bildschirm. Keine Benachrichtigungen. Keine Likes.

Nur Papier.

Genau das hat mir daran von Anfang an gefallen.

 

Es musste nicht perfekt sein.

Zumindest dachte ich das.

 

Also habe ich das gemacht, was wahrscheinlich jeder macht, wenn er ein neues Hobby beginnt:

Ich habe nach Inspiration gesucht.

Ein paar Videos.

Ein paar Pinterest-Pins.

Ein paar Instagram-Reels.

Und plötzlich hatte ich das Gefühl, ich würde etwas falsch machen.

 

Da waren Scrapbooks mit perfekt aufeinander abgestimmten Farben, unzählige Washi-Tapes, Sticker, Marker, Stempel und Regale voller Notizbücher.

Jede Seite sah aus wie ein kleines Kunstwerk.

Meine dagegen bestand aus einem Datum, einer Überschrift und ein paar schief geschriebenen Gedanken.

 

Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, mein Journal wäre nicht kreativ genug.

Je länger ich es ansah, desto hässlicher kam es mir vor.

 

Und genau da musste ich über mich selbst lachen.

 

Ich hatte mir ein Hobby ausgesucht, das mich entschleunigen sollte.

Was mich eigentlich von meinem Handy ablenken sollte.

Und innerhalb weniger Minuten hatte Social Media daraus wieder einen Wettbewerb gemacht.

 

Dabei war das doch nie der Sinn.

Mein Notizbuch sollte doch nur für mich sein.

Es sollte meine Gedanken sortieren.

Es sollte mir endlich eine Gelegenheit geben, meine süßen Sticker auf zu kleben.

Es sollte meine handyfreie Zeit sein und sollte mich entspannen.

 

Ich wurde etwas traurig weil ich darüber nachdachte, wie sehr mich Social Media beeinflusst.

Es hat es geschafft, mir ein Hobby madig zu machen, welches ich noch nicht einmal richtig gestartet hatte.

 

Dabei reicht doch manchmal ein Satz.

Oder eine Liste.

Oder eine Seite, auf der die Schrift schief ist.

 

Diese Seiten werden doch gerade durch die fehlende Perfektion so besonders.

So fühlen sie sich echt an.

Sie zeigen meine echte Handschrift und meine echten Gedanken- ganz ohne Filter.

 

Ich glaube, wir haben uns daran gewöhnt, dass selbst Hobbys produktiv sein müssen.

Sie sollen beeindruckend aussehen.

Sie sollen ästhetisch sein.

Sie sollen am besten noch zusätzlich zu Content werden.

 

Dabei sollten Hobbys einfach nur Hobbys sein.

Sie sollten etwas sein, das man aus dem bloßen Spaß oder der Interesse daran machen möchte.

Nicht, weil man es gut kann.

Nicht, weil es andere beeindruckt oder inspiriert.

Sondern einfach nur so.

 

Seit ich angefangen habe zu schreiben, erinnere ich mich immer wieder daran, dass Kreativität nicht perfekt sein muss.

 

Dass ein leeres Notizbuch nicht darauf wartet, möglichst schön gefüllt zu werden. Sondern ehrlich.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich dieses Hobby so mag.

Nicht wegen der perfekten Seiten.

 

Sondern weil sie niemandem gefallen müssen außer mir.