Spark: vorübergehend nicht verfügbar

Letzte Woche habe ich darüber geschrieben, dass ich mich so fühlte, als ob ich meinen Spark verloren hätte.

 

Ein Streit mit meiner Mutter hatte gereicht, um mich aus der Bahn zu werfen.

Ich war traurig, habe mich zurückgezogen, viel geschlafen und mich gefragt, warum mich diese eine Situation eigentlich so sehr mitnimmt.

 

Ich habe versucht, die richtigen Antworten zu finden.

 

Was hätte ich anders machen können?
War ich zu empfindlich?
Hätte ich mich entschuldigen sollen?
Warum kann ich das nicht einfach abhaken?

 

Mittlerweile ist ein bisschen Zeit vergangen.

 

Rückblickend glaube ich, dass ich in dieser Zeit mehr über mich gelernt habe, als mir zuerst bewusst war.

Mir ist seit Längerem wieder richtig bewusst geworden, dass ich Dinge sehr tief empfinde.

 

Dass Worte bei mir länger nachhallen, als es mir lieb ist.

Dass ich Streit nicht einfach abhaken kann, nur weil ein neuer Tag angefangen hat.

 

Aber ich habe auch gelernt, dass ein schlechter Tag nicht automatisch eine schlechte Woche sein muss.

Und eine schlechte Woche nicht automatisch ein schlechtes Leben.

 

Das klingt eigentlich ziemlich logisch.

Nur fühlt es sich in dem Moment überhaupt nicht logisch an, da ich durch die ganzen Gefühle nicht wirklich rational nachdenken, und die Sache von außen betrachtet wahrnehmen kann.

 

Wenn man mittendrin steckt, fühlt sich eine schwere Zeit oft so an, als würde sie niemals aufhören.

Als wäre dieses Gefühl der neue Normalzustand.

Doch das ist keineswegs der Fall!

 

Mein Spark war nicht weg, ich konnte ihn nur gerade nicht sehen, weil er zu schwach leuchtete.

Mir wurde klar, dass es immer Leute geben wird, die versuchen werden, meinen Spark zu dimmen.

Genau dann ist es meine Aufgabe, ihn wieder zum leuchten zu bringen.

 

Nur ich alleine bestimme, wie hell er leuchtet und nur ich alleine kann verhindern, dass er nicht gänzlich erlischt.

 

Gestern hatte ich dann endlich das Gefühl, dass ich ihn wieder mehr zum Leuchten gebracht hatte.

Nicht von heute auf morgen!

 

Ein bisschen durch ein gutes Gespräch mit meinem Partner.
Ein bisschen durch Lachen mit Freunden.

Durch Musik.

Durch einen Besuch in einem Wutraum.

Durch meine niedlichen Haustiere.

Durch einen Abend auf der Couch mit meiner Lieblingsdecke.

Durch ganz normale Dinge, die mir einfach gut tun.

 

Gestern dachte ich mir das erste Mal seit Längerem wieder:

Ach. Da bin ich ja wieder!

 

Ich glaube, wir unterschätzen, wie viel Zeit manche Dinge einfach brauchen.

Wir wollen nach einem Streit sofort, dass alles wieder normal ist.
Wollen nach einem schlechten Tag am nächsten Morgen wieder normal funktionieren.

 

Aber vielleicht müssen wir nicht immer funktionieren.

 

Vielleicht müssen wir manchmal einfach aushalten, dass es gerade nicht gut ist.

Nicht aufgeben.

Nicht sofort eine Lösung finden.

 

Wir müssen lernen, darauf zu vertrauen, dass diese Gefühle nicht für immer bleiben.

 

Das bedeutet nicht, dass man jede schwere Situation einfach aussitzen sollte.

Manchmal muss man Konsequenzen ziehen, Grenzen setzen oder sich Hilfe holen.

 

Aber manchmal gibt es auch Phasen, in denen man gerade nichts reparieren kann.

Manchmal braucht es einfach Zeit.

 

Zeit, um traurig zu sein.
Zeit, um wütend zu sein.
Zeit, um sich wiederzufinden.

 

Und irgendwann merkt man, dass man wieder lacht, obwohl man dachte, man würde es gerade nie wieder richtig können.

Dass man wieder Lust auf die Dinge bekommt, die einen sonst auch immer glücklich machen.

 

Ich glaube, schwere Zeiten gehen vorbei.

 

Nicht immer dann, wenn wir es gerne hätten.

Und vielleicht auch nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben.

Aber sie gehen vorbei.

Und bis dahin müssen wir lernen, sie auszuhalten.

 

Ich denke, dass ich mich geirrt habe.

 

Dass der Spark gar nichts ist, was man verlieren kann.

Vielleicht ist er manchmal einfach nur kurz unter all dem verschwunden, was gerade zu viel und zu schwer ist.

Es überschattet ihn sozusagen, dimmt ihn.

 

Er kommt ganz bestimmt wieder zum Vorschein.

Man muss ihm nur die Zeit geben.