Letzten Freitag Vormittag habe ich eine Nachricht von meinem Chef bekommen.
Er hatte die Monatsauswertung einer im Unternehmen üblichen AI Software erhalten und wollte nun von mir wissen, wieso ich die AI nicht nutze.
Ich meinte, dass wir das gerne persönlich besprechen könnten, und er setzte gleich ein Meeting für folgenden Mittwoch an.
Ich fand es komisch, diese Frage online gestellt zu bekommen, nachdem ich die ganze Woche im Büro gewesen war.
Generell beantworte ich Fragen lieber persönlich, denn ich halte nicht viel von Chatnachrichten zu so wichtigen Themen.
Man kann in ihnen die Gefühle und eigene Einstellung zum Thema nicht so gut rüberbringen, wie persönlich.
Finde ich.
Als ich mir einige Gründe überlegt hatte, wieso ich AI bewusst nicht in meinem Arbeitsalltag nutze, wurde ich nervös.
Ich bekam Angst vor dem Gespräch.
Also bat ich meinen Chef darum, kurz in einen Call zu springen, um die Sache direkt aus der Welt zu schaffen.
Ich muss sagen, dass ich durch diese Nachricht das Gefühl bekam, hinten her zu sein.
Ich dachte, ich sei dadurch langsamer und weniger professionell als meine KollegInnen, weil ich mich aktiv gegen die Verwendung von AI entschieden habe.
Aber ist das wirklich so?
Sofort ist mir ein Meeting vom Vortag eingefallen.
Eine Kollegin aus einer anderen Abteilung präsentierte ihre offensichtlich AI genereierten Folien.
Leider funktionierte die Übertragung nicht richtig, und die Zahlen auf den Folien waren falsch.
Ich fand es beunruhigend mitanzusehen, dass sie total verunsichert und panisch wurde.
Sie schien gar nicht zu wissen, was denn überhaupt auf den richtigen Folien stand.
Sie fragte verzweifelt nach, ob sie nicht ihr Handy holen könne, um abzulesen, oder ob sie nicht später präsentieren könnte.
Danach viel mir ein anderes Beispiel, ebenfalls aus einem Meeting, ein, bei dem uns die Zahlen unseres Teams präsentiert wurden.
Diese Zahlen waren fernab jeder Realität und entsprachen ganz und gar nicht den realen Zahlen, die unser Team eigentlich erreicht hatte.
Ich kann nicht sagen, ob der Promt nicht richtig oder nur teilweise formuliert wurde, oder ob die AI sich hier selbst etwas zusammengereimt hatte.
Für mich stand jedoch fest, dass die Person, die uns die Zahlen präsentierte, blind auf die AI vertraute.
Seitdem sind einige Meetings, die größtenteils nur aus AI generierten Folien und Inhalten bestanden, verstrichen, und ich werde zunhemen wütender und verzweifelter.
Das Hauptargument für die Verwendung von AI ist ja meistens das Argument des Zeitsparens.
Ich frage mich aber, wie es sein kann, dass ich angeblich Zeit sparen kann, wenn ich falsch generierte Zahlen und Folien mehrmals bearbeiten und erneut promten muss, bis sie endlich stimmen?
Ich frage mich, wo der persönliche Touch bleibt, wenn ich eine Nachricht bekomme, auf der unten „mit AI gesendet“ steht?
Mittlerweile ist es so weit gekommen, dass mich KollegInnen immer wieder darauf ansprechen, ob ich meine gut formulierte Nachricht im Company-Chat denn selbst oder mit AI geschrieben hatte.
Der Gedanke, eine simple Nachricht mit AI zu formulieren, ist für mich Absurd.
Ich möchte meinen Standpunkt darstellen, und nicht einen Standpunkt, von dem die AI denkt, dass ich ihn vertrete.
Viele dieser Standpunkte habe ich dann auch mit meinem Chef besprochen.
Ich nannte die Situationen in den Meetings als negative Beispiele.
Sagte klar, dass ich niemanden bräuchte, der kurze Chatnachrichten für mich schreibt und dass mir das Erstellen von Meeting-Folien Spaß machen würde.
Er fragte mich dann eine für mich sehr eigenartige Frage: „Also hast du in deinem Arbeitsalltag noch keine Situation gehabt, bei der du dachtest, da Frage ich einmal schnell die AI?“
Ich antwortete mit einem klaren nein und meinte, dass ich keine AI bräuchte, um Dinge zu fragen, die meine ArbeitskollegInnen auch wissen würden.
Nach dem Gespräch fühlte ich mich erleichtert, aber es blieb auch ein bitterer Beigeschmack zurück.
War ich denn wirklich nicht hinten her?
Scheiterte ich daran, mit der Zeit zu gehen?
Verschwendete ich meine Arbeitszeit mit Dingen, die eine AI in kürzerer Zeit für mich erledigen könnte?
Ich habe wirklich viel darüber nachgedacht, und bin zu dem Entschluss gekommen, dass doch meine Arbeit genau darin besteht, Aufgaben für die Arbeit zu erarbeiten.
Meetings vorzubereiten.
Mich mit Kollegen auszutauschen.
Von den Auswirkungen auf die Umwelt bei diesem obsessiven AI Gebrauch möchte ich gar nicht erst beginnen.
Ich habe beschlossen, mir selbst und meinen Werten treu zu bleiben und der AI den Kampf anzusagen.
Wer sind wir, ohne unseren persönlichen Touch?
Was hebt uns von den Anderen ab, wenn wir alles nur noch von der AI erarbeiten lassen?
Dieser Artikel soll nun mein Versprechen sein, mein Qualitätssiegel sozusagen, dass dieser Blog von mir geschrieben wird und ich keine AI als Hilsmittel nutze und nutzen werde.
Der Blog soll mein Leben wiederspiegeln, und das ist eben nicht perfekt formuliert und fehlerfrei!
