Erinnerst du dich noch daran, wie wir als Kinder einfach angefangen haben?
Wir haben gemalt, gebastelt, getanzt, gesungen oder irgendein neues Hobby angefangen. Nicht, weil wir besonders gut darin waren, sondern weil es uns Spaß gemacht hat.
Und wenn etwas nicht gleich funktioniert hat, haben wir es einfach noch einmal versucht.
„Übung macht den Meister!“ war ein Satz, den ich in meiner Kindheit ständig gehört habe.
Es ging nicht um die perfekte Umsetzung, sondern um den Lernprozess und den Spaß an der Sache.
Heute sieht das ganz anders aus.
Ich merke immer wieder, wie schwer es mir fällt, einfach mit etwas anzufangen.
Da ist eine Idee, auf die ich eigentlich richtig Lust hätte.
Vielleicht möchte ich etwas Kreatives ausprobieren, einen Text veröffentlichen oder mich an etwas wagen, das ich noch nie gemacht habe.
Und statt einfach loszulegen, plagen mich schon die ersten Zweifel.
Kann ich das überhaupt?
Was denken andere darüber?
Ist das gut genug?
Sollte ich nicht lieber noch ein bisschen damit warten, bis ich besser darin bin?
Dieses Problem plagt mich auch bei diesem Blog.
Ich habe monatelang mit der Veröffentlichung gewartet, weil ich mir nicht sicher war, ob meine Website und Texte gut genug waren.
Vom passenden Instagram Profil ganz zu schweigen. Ich habe bereits am Anfang einige meiner Posts direkt wieder gelöscht, weil sie mir nicht schön und inspirierend genug vorgekommen sind.
Sie waren mir peinlich und ich wollte nicht, dass sie andere auch peinlich finden würden.
Ich merke, dass wir uns mit zunehmendem Alter immer mehr Gedanken darüber machen, wie wir auf andere wirken.
Wir vergleichen unser Jetzt mit dem Jetzt anderer, obwohl sie vielleicht schon monatelang bloggen, Sport treiben oder malen.
Wir sehen fertige Kunstwerke, perfekte Texte, beeindruckende Projekte und scheinbar mühelos umgesetzte Ideen.
Was wir meistens nicht sehen, sind die vielen Versuche davor. Die Fehler, die verworfenen Ideen und die ersten unperfekte Schritte.
In der Zeit von Social Media kommt noch ein Hindernis dazu: Wir vergleichen uns und unsere Ergebnisse nicht nur konstant mit anderen, sondern können sie auch direkt tausenden von Menschen präsentieren.
Sobald wir auf veröffentlichen klicken, können es andere sehen, bewerten und kommentieren.
Es ist also gar nicht so weit hergeholt, dass wir uns zu oft überlegen, ob und wann wir etwas zeigen möchten, das noch weit von perfekt entfernt ist.
Wer gibt schon gerne öffentlich zu, dass er etwas noch nicht richtig kann?
Ich bin mir sicher, dass dieser enorme Druck von Außen unsere Kreativität stark einschränkt.
Wir haben nicht weniger oder unkreativere Ideen als früher- wir trauen uns nur viel seltener, sie auszuprobieren.
Aus einer spontanen Idee wird ein Projekt mit tausend Erwartungen. Bevor wir überhaupt angefangen haben, haben wir uns schon selbst davon überzeugt, dass das Ergebnis nicht gut genug sein wird.
Interessanterweise beschäftigt mich dieses Thema bereits die ganze letzte Woche und ich musste dabei direkt an den Lock-in-Trend denken, über den ich letzte Woche geschrieben habe.
Auf Social Media sehen wir gerade konstant andere Menschen, die ihre Routinen radikal verändern, neue Fähigkeiten lernen, Sport machen, lesen und an sich arbeiten.
Wie gesagt finde ich den Grundgedanken dahinter eigentlich schön: sich bewusst Zeit nehmen, um Dinge anzugehen, die man schon länger vor sich herschiebt. „No more excuses“ sozusagen.
Aber auch hier frage ich mich, wie viele dem Trend hinterhereifern, um wirklich an sich zu arbeiten, und wie viele nur mitmachen aus Sorge darüber, was ihre Follower oder die Menschen in ihrem umfeld über sie denken könnten.
Ich finde, dass dieser ganze Lock-In-Irrsinn einen guten Anlass bietet, einmal ernsthaft darüber nachzudenken, mit welchen Erwartungen wir als Gesellschaft eigentlich an Veränderungen herangehen.
Muss ich direkt eine neue Routine perfekt durchziehen, um ein besserer Mensch zu werden?
Und was bedeutet es überhaupt, die beste Version seiner selbst zu werden?
Kann ich das nicht auch dadurch erreichen, viele Dinge auszuprobieren und auch in Kauf zu nehmen, nicht gut darin zu sein?
Kann ich nicht gerade durch Übung und den bloßen Sprung ins kalte Wasser endlich herausfinden, was meine bessere Version meiner selbst eigentlich ist?
Ich finde, wir sollten uns viel öfter erlauben, einfach einmal Anfänger zu sein.
Etwas auszuprobieren, ohne direkt ein Ergebnis zu erwarten.
Etwas zu posten, obwohl es weit entfernt von perfekt ist.
Ein neues Hobby anzufangen, auch wenn man vielleicht nach drei Wochen feststellt, dass es einem doch keinen Spaß macht.
Und vielleicht sollten wir auch wieder lernen, unsere eigenen Erwartungen ein bisschen herunterzuschrauben.
Nicht jede Idee muss das nächste große Ding werden.
Nicht jeder Versuch muss gelingen.
Und nicht alles, was wir machen, muss anderen gefallen!
Denn wenn wir immer erst dann anfangen, wenn wir glauben, gut genug zu sein, werden wir ewig warten.
Ich möchte jedenfalls versuchen, mir ein bisschen mehr von der kindlichen Unbeschwertheit zurückzuholen.
Dinge ausprobieren, Fehler machen und nicht direkt darüber nachdenken, wie das Ergebnis auf andere wirken könnte.
Ich möchte meinen Blog wieder mit jenen Augen sehen, mit denen ich ihn vor meinem stundenlangen Scrollen auf Social Media betrachtet habe.
Vielleicht ist „Übung macht den Meister“ gar kein veralteter Spruch.
Wir haben nur irgendwann vergessen, dass Übung eben auch bedeutet, am Anfang noch nicht besonders gut zu sein.
Also: Bitte fang einfach an!
Nicht wegen den anderen oder Social Media, sondern einfach, weil du Lust darauf hast.
Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt? Dann probier es eben noch einmal!
