50 Kilometer- zwischen Stolz und Niederlage

Es gibt diese Momente, in denen man sich selbst etwas beweisen will. Für mich war es die Anmeldung zu einer 50-Kilometer-Wanderveranstaltung. Wochenlang habe ich darauf hingefiebert, habe meine Ausrüstung vorbereitet  und mir ausgemalt, wie ich es erschöpft, aber stolz endlich ins Ziel schaffe.

 

Spoiler: So ist es leider nicht abgelaufen…


Der Morgen startet früh und ich habe leider nicht gut geschlafen. Ich bin nervös aber aufgeregt. Wir leihen uns ein Fahrrad und fahren die 10 Minuten bis zum Start. Dort angekommen verfliegt die Nervosität und ich fange an, mich auf den Start zu freuen. Es ist super viel los und die Motivation der Anderen steckt mich an.


Die ersten Kilometer fühlten sich leicht an. Die Strecke gefällt mir total gut, es gibt viel zu sehen und ich freue mich auf den ersten Versorgungspunkt. Wir sind gut unterwegs, liegen gut in der Zeit und bleiben bei Kilometer 10, 20 und 30 stehen, um Fotos von den Schildern zu machen. Noch 20 Kilometer to go, die schaffen wir bestimmt.


Irgendwann kippte meine Stimmung jedoch. Nicht schlagartig, sondern schleichend.

Die Beine wurden schwerer, die Pausen häufiger. Kleine Schmerzen, die man anfangs noch ignoriert, wurden präsenter.

Ich redete mir gut zu:
„Das ist normal. Geh einfach weiter.“

Und das tat ich auch.


Nach Kilometer 30 machte mein Körper immer deutlicher, dass heute nicht der Tag für Heldengeschichten werden würde.  Jeder Schritt wurde zur Überwindung, meine Beine schmerzten und ich wurde zunehmend langsamer.  


Ich blieb stehen. Zum ersten Mal nicht nur für eine Pause, sondern um nachzudenken.

Sollte ich um jeden Preis weitergehen? Konnte ich überhaupt noch weitergehen?


Die Kurzfassung: Ich habe abgebrochen.


Ich war unfassbar traurig und enttäuscht. Andere gingen weiter. Sie würden das Ziel erreichen. Ich nicht.

Ich war wütend auf mich selbst, fühlte mich schwach und hatte das Gefühl, nichts erreicht zu haben.


Im Taxi nach Hause wurde ich immer trauriger und ich verbrachte das restliche Wochenende im Bett. Ich schämte mich, Freunden und Familie erzählen zu müssen, dass ich gescheitert war.


Die Anderen redeten mir gut zu und je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir:
Das war keine Niederlage. Das war eine Entscheidung für mich selbst.


Ich bin zwar keine 50 Kilometer gewandert und habe kein Ziel überquert, aber ich habe etwas anderes gewonnen:

Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. 

Und vielleicht ist genau das am Ende mehr wert als jede Medaille.

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